< Vorheriger Artikel
13.12.2017 Obdachlose

Ein Lächeln ohne Scham

Petra Münch

Es war wie so oft ein „Zwischen Tür und Angel“-Gespräch, bei dem Pfarrer Torben Weinz auf das große Leid von Petra Münch aufmerksam wurde. Sie lebt in dem sozialen Brennpunkt, der zu seinem Gemeindegebiet gehört, ist auf Hartz IV angewiesen und hat ein schwieriges Leben hinter sich. Viele Jahre war sie obdachlos gewesen, hatte erst einen Halt gefunden, als sie ihren heutigen Lebensgefährten kennenlernte, der sie von der Straße holte. Pfarrer Weinz: „Als sie mir davon erzählte, dass sie gerne neue Zähne hätte, spürte ich sofort, dass es dabei nicht nur um besseres Kauen ging, sondern dass das viel mehr für sie bedeutete.“ Wenn auch das Leben auf der Straße hinter ihr liegt, so war es immer noch diese totale Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen, die Petra Münch einschränkte. „Ich hatte kaum noch Zähne im Mund“, erzählt sie, „wenn ich mit anderen Leuten sprach und sie das bemerkten, dann spürte ich immer, wie sie automatisch einen Schritt zurückgingen. Das war so beschämend, so peinlich für mich und es fühlte sich an, als ob ich meine Vergangenheit immer noch wie ein Zeichen, wie ein Stigma mit mir umhertragen würde.“ Heute kann Petra Münch wieder unbeschwert lächeln. Und mit ihr konnte vielen anderen Menschen in Berlin geholfen werden. „Einer Wohngruppe mit Jugendlichen konnten wir die ersten eigenen Fahrräder ermöglichen und immer wenn ich sie bei uns durchs Viertel fahren sehe, freue ich mich über diese Unterstützung durch die Stiftung Fliege“, so Pfarrer Weinz. Ihm, als Spätberufenem liegt die Seelsorge besonders am Herzen. Umso schöner aber, dass er nun neben guten Worten auch ganz konkret helfen konnte.