Im Ramadan öffnen sich die Menschen

Ehepaar Idriz der Islamischen Gemeinde Penzberg
Nermina Idriz weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem geholfen wird. Als sie 16 Jahre alt war, kam sie als Flüchtling aus Bosnien nach Deutschland. Ihr Vater sagte: „Uns steht keine Sozialhilfe zu, wir sind gesund und können arbeiten.“
Während sie ihren Realschulabschluss machte, ging sie abends babysitten, bügelte und putzte. Vormittags in der Schule schlief sie regelmäßig ein. Ihre Lehrerin sah nicht lange zu. Sie fragte, was das Mädchen monatlich verdiente. Idriz antwortete: 300 DM. Die Lehrerin sagte: „Das machst Du nicht mehr. Du machst jetzt den Abschluss.“ Und sie gab ihr jeden Monat genau diesen Betrag - gegen den anfänglichen Widerstand der Eltern. Vergessen hat Idriz das nie.
Sie machte ihren Abschluss und anschließend die Ausbildung zur Sozialpädagogin. Heute ist die 49-Jährige die Referentin für Bildung und Soziales der Islamischen Gemeinde Penzberg - und die Frau des bundesweit bekannten Imam Benjamin Idriz (54).
Wenn heute jemand Unterstützung braucht, hat sie ein offenes Ohr. Zum Beispiel Barna. Die junge Afghanin hält mit einem Minijob ihre Familie über Wasser und lernt gleichzeitig für ihre Deutschprüfung. Nach einem Umzug kauft sie ein Bett für die Familie - und übernimmt sich finanziell.
Idriz hilft. „Du musst Dich auf Deine Prüfung vorbereiten“, sagt sie dann. Denn erst, wenn Barna die Deutschprüfung bestanden hat, kann sie die Ausbildung zur Pflegehelferin anfangen. Idriz sorgt dafür, dass die 22-Jährige den Kopf frei bekommt - und das Gefühl, dass jemand an sie glaubt. Wie ihre Lehrerin damals betrachtet Idriz die Situation ganzheitlich.„Mir wäre wichtig, dass auch die Mutter einen Job bekommt“, sagt sie. „Nur so können wir der Familie nachhaltig helfen.“ Barna soll nicht die einzige sein, die Geld verdient.
Idriz weiß nicht, woher ihre Lehrerin damals das Geld nahm, das sie ihr gab. Die Hilfe für Barna kommt heute von der Stiftung Fliege. Imam Idriz ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung. Er bekommt drei Jahre lang jeweils 10.000 Euro zur Verfügung, um Menschen in Not schnell zu unterstützen - finanziell, aber auch menschlich.
„Es ist eine sehr große Verantwortung, das Geld zu verteilen“, sagt Idriz. Und es sei nicht leicht, Menschen in der Gemeinde zu finden, die sich als bedürftig zu erkennen geben. „Aber Ramadan ist eine gute Zeit, da trifft man sich und versucht, den Mitmenschen zu helfen.“ In dieser Zeit, das hat Idriz gerade erst wieder gemerkt, öffnen sich die Menschen, erzählen von ihren Sorgen und nehmen leichter Hilfe an als sonst. „Denn man weiß, dass es in diesem Monat so ist“, erklärt Idriz. Barna ist ein gutes Beispiel dafür.
von Victoria Weber
- Dateien:
- Die_die_auffaengt.pdf
HypoVereinsbank
IBAN: DE61 7002 0270 5801 8000 00
BIC: HYVEDEMMXXX
SozialBank
IBAN: DE21 3702 0500 0008 8770 00
BIC: BFSWDE33MUE