28.09.2021 Familie

"Man muss im Leben nicht alles selbst lösen."

Verena Zepter arbeitet bei der Sozialen Beratungsstelle beim Caritasverband Erlangen.

Soziale Beratungsstelle des Caritasverband Erlangen

Stets hat sie ein offenes Ohr für große und kleine Probleme, für anonyme Anrufer und Menschen, die sie schon seit vielen Jahren kennt. Sie bringt Ordnung ins Chaos, findet Lösungswege, verbreitet Zuversicht und zeigt Menschen in Ausnahmesituationen eine Perspektive auf.
„Man muss im Leben nicht alles selbst lösen.“ Das würde Verena Zepter gerne an die große Glocke hängen. Die 45-Jährige arbeitet bei der Sozialen Beratungsstelle der Caritas für die Stadt Erlangen und den Landkreis Erlangen-Höchstadt. Es ist ihre Aufgabe, die Probleme anderer Leute anzugehen. In den vergangenen 23 Jahren konnte sie vielen Menschen helfen - nur nicht denen, die sich nicht trauten, zu ihr zu kommen.
Als Folge der Pandemie gerieten im vergangenen Jahr viele Menschen in Situationen, die sie sich zuvor nie ausgemalt hätten. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, der Verlust der Selbstständigkeit und damit einhergehende Perspektivlosigkeit: Schlagartig wuchs Zepters Zielgruppe. „Man kann froh sein, dass es in Deutschland ein soziales Netz gibt“, sagt sie. Doch: „Es kostet Überwindung diese Angebote anzunehmen.“
Zepter lädt dazu ein, Kontakt aufzunehmen. Wenn Frau Wagner, die eigentlich anders heißt, anruft, weil der Schulbus nicht kommt, weiß Zepter, dass das nicht Wagners einziges Problem ist - und auch nicht ihr größtes. Aber es ist ein Problem. Und Zepter hört zu. Oft hört sie dann noch mehr.
Wenn einer Familie die Spülmaschine kaputt geht, sagt Zepter nicht gleich: Den Abwasch können doch die Kinder erledigen. Sie weiß: „Wenn eine Familie hochbelastet ist, ist eine Spülmaschine eine große Erleichterung.“ Und sie versucht, Geld für ein neues Gerät aufzutreiben.
Andere rufen bei ihr an, weil sie neue Schuhe, eine Brille oder ein neues Bett benötigen.
Staatliche Hilfsangebote haben Grenzen. „Das ist manchmal schwer auszuhalten.“ Mit 10.000 Euro der Stiftung Fliege konnte sie nun einige Grenzen überwinden und bedürftigen Familien etwas Gutes tun.